Schutz vor elektrostatischer Entladung: Warum ESD-Verpackungen so wichtig sind

Die Aufbewahrung und der Versand elektronischer Bauteile stellt Unternehmen vor Herausforderungen, da die Produkte vor elektrostatischer Entladung oder Aufladung geschützt werden müssen. Passende ESD-Verpackungen schaffen Abhilfe. Ströbel-Vertriebsleiter Matthias Mandel erklärt im Interview, welche Vorteile ESD-Verpackungen bieten und wie Kunden die richtige Lösung für ihre Bedürfnisse finden.

Welche Produkte sind vor Spannungsfeldern zu schützen?

Herr Mandel, Sie beschäftigen sich jeden Tag mit der Frage, wie sich Produkte optimal verpacken lassen. Elektrostatische Entladung (ESD) spielt dabei eine bedeutende Rolle. Warum sind entsprechende ESD-Verpackungen so wichtig?

Wenn verschiedene Stoffe oder Produkte aufeinandertreffen, die unterschiedlich aufgeladen sind, kann es zu Entladungen kommen und Schäden entstehen. Das ist beispielsweise bei elektronischen Bauteilen der Fall. Der Grund: Die entstehenden Spannungsfelder bilden eine Gefahr, denn die Stoffe sind bestrebt, ins elektrische Gleichgewicht zu kommen. Dadurch kann es zu Entladungen kommen, welche empfindliche Bauteile beschädigen und schlimmstenfalls zerstören können.

Welche Bauteile sind konkret betroffen?

Zu den schon angesprochenen elektronischen Bauteilen zählen zum Beispiel komplett bestückte Leiterplatten für den Ersatzteilversand. Auch kleine Pins gilt es innerhalb der Verpackung vor elektrostatischer Aufladung zu schützen.

Was ist der Vorteil von ESD-Verpackungen im Vergleich zu herkömmlichen Produkten?

ESD-Verpackungen verhindern elektrostatische Aufladung und beugen so Beschädigungen vor. Je nach Verwendungszweck bieten sie den passenden Schutz. Die verpackten Teile sollen sich nicht aufladen und es soll sich auch nichts auf die Teile entladen.

ESD-Schutzmaßnahmen: Außerhalb vs. innerhalb des Unternehmens

Unterschiedliche Produkte benötigen unterschiedlichen Schutz. Bedeutet das, dass für jedes sensible Bauteil eine spezielle Verpackung vonnöten ist?

Es kommt mehr auf den Schutzbereich als auf das eigentliche Produkt an. Wir fragen Kunden zuerst, was die jeweilige Verpackung können muss. Wichtig ist beispielsweise zu wissen, ob die Verpackung für den Versand gedacht ist oder innerhalb des Unternehmens genutzt wird. Im letzteren Fall möchten wir herauszufinden, ob die Verpackung innerhalb oder außerhalb der EPA-Zone zum Einsatz kommt.

Was genau meinen Sie mit „EPA-Zone“?

„EPA“ steht für „Electronic Protected Area“. Dabei handelt es sich um ESD-Schutzzonen in Unternehmensgebäuden. Von der Größe her können die Bereiche vollkommen unterschiedlich sein – ein einzelner Arbeitsplatz ist ebenso möglich wie komplette Produktionshallen. In den jeweiligen Zonen sind nur ESD-konforme Produkte erlaubt, was zu einer größtmöglichen Sicherheit vor schädlichen Spannungsfeldern führt.

Wie lässt sich ein durch ESD entstandener Schaden erkennen?

Manchmal ist er erkennbar – beispielsweise, wenn Leiterplatten in der Endkontrolle mikroskopisch geprüft werden. In dem Fall wird schnell ersichtlich, ob einzelne Leiterplatten-Bahnen miteinander verschmolzen sind. So detaillierte Prüfungen sind aber nicht bei jeder produzierten Einheit eines Produktes möglich. Der Schaden fällt oft erst beim Endkunden auf, nachdem dieser den Artikel ausgepackt und eingebaut hat. Teilweise tritt der ESD-bedingte Defekt auch erst nach einer gewissen Betriebszeit auf.

ESD-Shielding-Produkte im Überblick

Welche ESD-Shielding-Produkte bieten Sie an? Wie unterscheiden sie sich?

Der aus metallisiertem Polyester bestehende Topshield Abschirmbeutel bildet einen faradayschen Käfig, der als geschlossene Schutzhülle für das Produkt wirkt. Jemand mit elektrostatischer Aufladung kann problemlos nach der Verpackung greifen, ohne dass ein Schaden entsteht.

Wer zusätzlich zum ESD-Schutz auch einen Feuchtigkeitsschutz für das Produkt möchte, kann den EMI Shielding Beutel verwenden. Statt metallisiertem Polyester kommt eine Aluminiumhülle zum Einsatz, die eine Wasserdampfbarriere erzeugt. Ansonsten gibt es auch einfachere Folienprodukte, die ebenfalls abschirmend wirken.

Wie können Kunden herausfinden, welche Verpackung sich für ihr Produkt am besten eignet?

Hersteller und Händler müssen sich genau überlegen, welche Verpackung sie benötigen. Zunächst gilt es zu klären, ob es sich um ein empfindliches oder unempfindliches Bauteil handelt. Zudem ist der Zweck der Verpackung wichtig: Versandverpackungen erfüllen andere Kriterien als Lagerverpackungen. Bei der letzteren Variante spielt zudem eine Rolle, ob die Verpackung innerhalb oder außerhalb von EPA-Zonen genutzt wird.

Aus den gesammelten Informationen ergibt sich ob der Kunde einen ableitenden Schutz oder einem komplett abschirmenden Schutz benötigt. Ebenso wichtig sind zusätzliche Aspekte: Benötige ich nur ESD-Sicherheit oder bedarf es weiterer Schutzmaßnahmen vor Umwelteinflüssen wie beispielsweise Feuchtigkeit? Je präziser diese Fragen beantwortet werden, desto besser lässt sich die passende Verpackung finden.

Ein weiterer Punkt ist die Art der Lagerung. Reine Versand- oder kurzfristige Lagerverpackungen unterscheiden sich von Hüllen für Langzeitlagerung.

Herr Mandel, wir danken Ihnen für die spannenden Einblicke.

Eine große Auswahl an ESD-Schutzprodukten sowie weitere Infos für den konkreten Anwendungsfall finden Sie in unserem Onlineshop.

Experte für ESD- und Korrosionsschutzverpackungen – Matthias Mandel, Vertriebsleiter bei Ströbel

Matthias Mandel beschäftigt sich beruflich seit über 20 Jahren mit Folienverpackungen. Als Vertriebsleiter der Ströbel GmbH spezialisiert er sich auf ESD Schutzverpackungen, Korrosionsschutzverpackungen und Aromaschutzverpackungen.

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